„When in doubt, dig it out“

Unregelmäßig werde ich Gedanken teilen, die zusammenhangslos erscheinen mögen oder ersten auf den zweiten Blick im beruflichen Kontext Sinn ergeben. Den Anfang macht meine Lieblingscomedy.

 Während ich an dieser Website bastelte, lief ein Spotify-Radio durch und spielte mir „Detectorists“ von Johnny Flynn vor. Es ist der Soundtrack der gleichnamigen Serie, die von der BBC produziert und 2014 erstmalig ausgestrahlt wurde.

Will you search the loamy earth for me?
Climb through the briar and bramble?
I’ll be your treasure

Wirst du für mich die lehmige Erde durchsuchen? Dich durch Dornen und Gestrüpp kämpfen? Ich werde dein Schatz sein.

Jedes Mal muss ich schon beim ersten Akkord schmunzeln und habe Andy Stone & Lance Stater (Mackenzie Crook & Toby Jones) vor Augen. Zwei Freunde, die mit ihren Metalldetektoren über die Felder von Essex streifen. Sie suchen Goldschätze, stoßen aber meist auf Matchbox-Autos oder „Canslaw“ aus Dosenlaschen. Und so bleibt viel Zeit, sich über das Leben, ihre Jobs, Beziehungen oder die anderen Sondengänger aus dem Danebury Metal Detecting Club (DMDC) zu unterhalten.

ARTE streamte die Serie 2020 in seiner Mediathek, es gibt keine deutsche Übersetzung. Und wäre ich nicht im Corona-Lockdown auf sie gestoßen, wüsste ich nicht, ob ich nach der Titel-Beschreibung wirklich ins Game eingestiegen wäre. Aber der trockene, britische Humor, die kauzigen Charaktere hatten mich sehr schnell in ihren Bann gezogen. (Tipp: Momentan sind alle Folgen auf YouTube!)

Beiläufig lernt man auch etwas über Archäologie, Ausgrabungen und Geduld. Drei Jahre später betreute ich für ifok GmbH den Kunden terranets bw beim Ausbau der wasserstofffähigen Süddeutschen Erdgasleitung (SEL). Die SEL ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die sich in verschiedenen Planungsstufen befanden. Auf einem Abschnitt standen Voruntersuchungen der Böden an. Archäologen untersuchten Abschnitte im Projektraum, auf denen das Land Baden-Württemberg zeithistorische Funde vermutete. Und tatsächlich: Man fand an einer Stelle Steinformationen, die auf eine Grabstätte hinwiesen. Nachdem weitere Erdschichten abgetragen wurden, kamen menschliche Skelette und die Knochen eines Pferdes zum Vorschein. Außerdem ein Dolch sowie – tatsächlich – ein kleiner Grabschatz aus Schmuckstücken.

Das musste dokumentiert werden: Zum einen ordnungsgemäß für das Landesamt. Zum anderen aber auch per Video und Interviews für die Projektkommunikation. Ich hatte sehr schnell meine Hand gehoben, um ins „Ländle“ zu fahren und die Ausgrabungen zu begleiten.

Ich traf „Detectorists“, die die „Detectorists“ kannten und fand endlich Geschwister im Geiste, die meine Begeisterung für die Serie teilten. Aber noch viel eindrucksvoller: Ich sah, wie Jahrhunderte alte Strukturen, Menschen und Tiere ausgehoben wurden. Eine mystische Atmosphäre, ein besonderes Gefühl. Man fragt sich unweigerlich, was hier vorgegangen sein mag, wer diese Menschen waren. Sascha Schmidt, Projektleiter für Archäologie, nennt seinen Job folgerichtig ein „ständiges Rätsellösen“.

Unser Video über die archäologischen Grabungen im Rahmen der Bauvorbereitung für die SEL ist auch noch auf YouTube zu finden.

Es waren zwei spannende Tage, an die ich noch häufiger denke. Zumindest immer dann, wenn Johnny Flynn auf Spotify läuft.

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