PROlympia in Hamburg

Als ich vor fast 8 Jahren nach Hamburg gezogen bin und mich auf eine wirkliche Großstadt eingelassen hatte, schwang vor allem auch Vorfreude auf Events mit, die ich aus der Heimat nicht kannte. Dass das „Tor zur Welt“ mir die Welt bietet und mutig, aufgeschlossen ist. Deshalb habe ich heute Morgen sehr seufzen müssen, als ich las, dass 50% die Olympiabewerbung „eher schlecht“ finden.

Ich kenne das Fragendesign nicht, aber ich verstehe die Sorgen um hohe öffentliche Ausgaben oder die Sorge vor teureren Mieten oder Verkehrschaos. Nur: all das haben wir jetzt schon. Fünf Wochen Olympia können kein Argument für mehrere Jahrzehnte Mietwucher sein. Hohe, öffentliche Ausgaben für Verkehrsinfrastruktur haben wir auch schon. Es ist eher so, dass wir mehr öffentliche Ausgaben in Hamburg brauchen. Damit Köhlbrandbrücke, U5, Hauptbahnhof, Bahnhof Altona, Stadttunnel, Mobilitätswende u.v.m. mit Hochdruck weiterverfolgt werden. Es gibt eine Zusage vom Bund, dass der Austragungsort der Spiele einen erheblichen Beitrag erhalten wird, um sich fit zu machen. Warum sollten wir uns in Hamburg darum nicht bewerben? Ohne Olympia würde das Verkehrschaos vermutlich länger und schlimmer.

„Und nun zum Spocht“: Ich war eine Woche bei den Spielen in Paris 2024. Es ist nicht vergleichbar mit einer Fußball-EM oder -WM, die sich im Stadion oder einer Riesen-Fanmeile „versteckt“. Die Spiele sind in der ganzen Stadt spürbar, versprühen einen Vibe, den ich im Sportumfeld noch nicht erlebt habe. Sie werden neue Vorbilder hervorbringen, sie werden dem Breitensport helfen, weil auch alle Trainingsstätten auf Top-Niveau gebracht werden müssen. Diesen Boost braucht Sportdeutschland unbedingt.

By the way: Wenn Städte wie Hamburg nicht selbst in die Bütt gehen wollen, dürfen wir auch nicht wehklagen, wenn die Spiele schnell zurück in autokratische Länder wandern. Warum gönnen wir uns dieses Fernziel, dieses Gemeinschaftsprojekt als „Tor zur Welt“ nicht?

Sportvereine und Vereinswesen, das sagen wissenschaftliche Studien, sind zudem besonders demokratiefördernd. Und es gibt nicht mehr viele Orte in der Gesellschaft, die wie ein Lagerfeuer wirken.

Ihr werdet es gemerkt haben: Ich bin für Olympia in Hamburg. Ich bin für das neue Konzept von Olympia. Temporäre Stadien, wenig Neubauten, hohe Investitionen in Verkehrsinfrastruktur. Gemeinschaftserlebnisse, die für immer bleiben.

2 Gedanken zu „PROlympia in Hamburg“

  1. Ganz ehrlich, dein Text klingt gut, ist aber inhaltlich an mehreren Stellen schlicht nicht belastbar.

    Du stellst Olympia als eine Art Katalysator für Probleme dar, die Hamburg sowieso hat. Genau da liegt der Denkfehler. Infrastruktur, die wir wirklich brauchen, bauen wir auch ohne Olympia. Wenn man sie nur mit einem Megaevent politisch „durchgedrückt“ bekommt, ist das kein Argument dafür, sondern ein strukturelles Problem der Prioritätensetzung.

    Das Thema Kosten blendest du komplett aus. Fakt ist, dass ausnahmslos alle Olympischen Spiele seit Jahrzehnten massiv teurer wurden als geplant. Studien der University of Oxford zeigen durchschnittliche Kostensteigerungen von über 150 Prozent. Das ist kein Ausreißer, das ist die Regel. Zu glauben, Hamburg würde das plötzlich besser hinbekommen, ist nicht optimistisch, sondern realitätsfern.

    Dein Argument mit temporären und nachhaltigen Stadien klingt modern, ist aber in der Praxis oft Augenwischerei. Rückbau, Sicherheit und Logistik treiben die Kosten trotzdem massiv hoch, und viele Anlagen werden danach nur eingeschränkt genutzt. Das hat man unter anderem bei den Olympische Sommerspiele 2016 sehr deutlich gesehen.

    Auch beim Thema Mieten greifst du zu kurz. Olympia ist kein neutraler Faktor, sondern ein Beschleuniger. In Städten wie Barcelona oder London haben Großevents die Aufwertung und damit steigende Mieten zusätzlich angeheizt. In einem ohnehin angespannten Markt wie Hamburg ist das kein Nebeneffekt, sondern ein ernstes Risiko.

    Der oft zitierte „Boost für den Breitensport“ hält empirisch ebenfalls kaum stand. Es gibt keinen nachhaltigen Anstieg der Sportbeteiligung nach Olympischen Spielen. Was wirkt, sind kontinuierliche Investitionen in Vereine, Infrastruktur im Alltag und niedrigschwellige Angebote, nicht zwei Wochen Ausnahmezustand.

    Und das Argument, man müsse Olympia holen, damit es nicht in autokratische Staaten geht, klingt moralisch gut, greift aber zu kurz. Wenn demokratische Städte wie Hamburg sich bewusst dagegen entscheiden, dann nicht aus Mutlosigkeit, sondern weil Kosten, Risiken und Einflussmöglichkeiten in keinem vernünftigen Verhältnis stehen. Das International Olympic Committee diktiert die Spielregeln, nicht die Stadt.

    Unterm Strich bleibt: Olympia ist ein emotional starkes Event, aber wirtschaftlich und strukturell ein Hochrisikoprojekt. Für ein paar Wochen Atmosphäre bindest du Milliarden an Steuergeld, während die wirklich wichtigen Projekte der Stadt ohnehin schon hinterherhinken.

    Wenn Hamburg sich entwickeln will, braucht es keine Olympischen Spiele, sondern saubere Prioritäten und verlässliche Investitionen im Alltag.

    1. Danke für deinen Beitrag und deine Meinung.
      Ich versuch mal auf einzelne Punkte einzugehen.
      Grundsätzlich kann ich nach den Erfahrungen z.B. mit der Fifa verstehen, wenn man Sportverbänden wie dem IOC kritischer gegenübersteht. Ich habe lediglich geschrieben, dass wir uns nicht beklagen dürfen wenn sich andere die Spiele unter den Nagel reißen. Ich finde die olympische Idee weiterhin großartig und hoffe sehr, dass sie weiterlebt. In demokratischen Umfeldern (das IOC gibt sich immerhin Mühe; siehe Paris, London, Rio, Brisbane, LA).
      Und ein Boost für den Breitensport erwarte ich über Begeisterung, Sponsoren, Vorbilder, Begegnungen. Abstrahleffekte wird es sicher geben. Es wäre auch meine Erwartung an das Komitee, dass sowohl Sportvereine als auch Bürger:innen in unserer Stadt bedacht werden. Was sicher ist: Viele bestehende Anlagen werden modernisiert und können weitergenutzt werden.

      Infrastruktur: Wir bauen die auch ohne Olympia, richtig. Weil wir es müssen (siehe Kohlbrandbrücke oder Bahnhöfe). Ich sage nur, dass Olympia den Druck erhöht und neue finanzielle Mittel für die Stadt zur Verfügung stellt, damit das in time durchgezogen wird. Warum sollte man sich um diese Töpfe nicht bewerben? Sehe an der Stelle keinen Denkfehler.

      Kosten: Paris 2024 waren die ersten Spiele nach neuem Vergabemodus. 95% der Sportstätten gab es in Paris schon oder wurden temporär errichtet (das ist bei vielen Indoor-Sportarten nicht viel anders als ein Messebau rund um die OMR). Paris hatte die höchsten Kosten durch die Reinigung der Seine. Die Spiele 2016 waren nach altem Modus. Die vielen Neubauten wird es nicht mehr geben. Das ist auch ein Riesenunterschied zum Bewerbungsversuch 2015. Paris sagt sogar, sie hätten Gewinne durch Olympia gemacht. Hamburg plant ebenfalls mit Gewinnen.

      Mieten: Paris hat im Vorfeld schon Faktoren entwickelt, die Mietsteigerungen entgegenwirken sollen und hat es bisher geschafft, die Mietkosten im Rahmen zu halten. Es gibt langfristig betrachtet unterschiedliche Aussagen über den Einfluss von Olympia auf Mietpreise. Oft gingen die mit infrastrukturellen Aufwertungen des Viertels einher, die es vermutlich auch ohne Olympia gegeben hätte. Ich finde wirklich, dass 5 Wochen Olympia keine Ausrede sein dürfen, um Mietwucher nicht strukturell anzugehen.
      München wäre ohne Olympia 72 nicht das, was es heute ist. Hannover wäre ohne Expo kaum bekannt. Wer sich „Tor zur Welt“ nennt, darf auch mal einen großen Schritt wagen. Ich bleibe beim Pro!

      Liebe Grüße.

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